Andachtsbild
Diese Bildwerke mit Szenen vorwiegend aus dem Leben und Leiden Christi dienen der Andacht bzw. der Erbauung und sollen beim Betrachter starkes Mitgefühl und ein Hineinversetzen in die Leiden Christi bzw. eine stark emotionale Anteilnahme daran hervorrufen. Entsprechend emotional sind die Darstellungen. Dabei geht es nicht nur um Bilder, sondern als Andachtsbilder werden auch Schnitzwerke oder Skulpturen aus Stein bezeichnet, die diese Kennzeichen aufweisen.
Kleinformatige Werke werden auch als "Andachtsbildchen" bezeichnet. Drucke waren preisgünstig zu erwerben und waren für den Künstler, etwa Albrecht Dürer, wichtige Einnahmequellen.
Es gibt eine ganze Reihe von Bildtypen:
- Pietà. Die sitzende Maria zeigt den vom Kreuz abgenommen Leichnam Jesu.
- Engelspietà. Der vom Kreuz abgenommene Jesus, vorgezeigt von Engeln
- Schmerzensmann (Erbärmdebild). Jesus mit den Kreuzigungswunden, nicht am Kreuz
- Erbärmdegruppe. Im Grunde eine Erweiterung des Erbärmdebilds um weitere Personen, zumindest den Lieblingsjünger Johannes
Weitere Bildtypen sind:
- Die Christus- Johannes- Gruppe
- Die mater dolorosa, also die schmerzensreich Maria. Die betende Mutter Gottes hat ein Schwert in der Brust
Hintergrund
Den Hintergrund bildet das Auftauchen von byzantinischen Ikonen, die sich nach der Eroberung Konstantinopels seit den Kreuzzügen im Abendland verbreiten sowie vor allem eine gewandelte Religiosität und Volksfrömmigkeit, die sich von den bisher üblichen Darstellungen Christi als Herrscher und Sieger abwendet und einen persönlichen Zugang zu Gott sucht und findet. In der Literatur wird auch die Pestwelle des 14. Jahrhunderts genannt, die durch ihre persönliche Erfahrung von Schmerz und Leid zur Verbreitung dieser Frömmigkeit beigetragen habe.
Diese spätmittelalterliche Religiosität, die realistische Darstellungen hervorbringt, unterscheidet sich sehr von der philosophisch geprägten und an der Antike orientierten Religiosität der Renaissance.
