Aufklärung
Was kennzeichnet die Aufklärung?
Die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts leitete den langsamen Übergang zur säkularen (weltlichen, im Unterschied zur religiösen) Gesellschaft der Gegenwart ein. Die heutige säkulare Welt bezeichnet man auch als Moderne.
Die Vernunft wird nun zum Maßstab aller Dinge, nicht mehr die Bibel. Alle Lebens- und Wissensgebiete wie Religion, Staat, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Familie, Ethik, usw. sollen daran gemessen werden, ob sie den Ansprüchen der Vernunft genügen. Man geht voll Optimismus davon aus, dass der Mensch gut und der Vernunft zugänglich sei. Schema der Aufklärung (Grafik: DEidG)
Um den Begriff der Vernunft stritten sich die Gelehrten der Aufklärung. Es stehen englische Empiristen gegen französische Rationalisten. Es geht um die Frage, wie man eigentlich Erkenntnisse gewinnt (Erkenntnistheorie): nur abgeleitet über die Sinne, wie der Empirismus meint, oder vor allem über die Vernunft, wie die Rationalisten meinen? Beide Richtungen schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern legen nur die Akzente anders.
Beide Richtungen lehnen es aber ab, Erkenntnisse nur aus einem als heilig bezeichneten Buch der Offenbarung oder aus göttlicher Eingebung oder auf irgend einem übernatürlichen Wege zu gewinnen.
Folgen der Aufklärung
Dieser Denkansatz hat massive Folgen für alle Wissensgebiete, insbesondere aber für Religion und Kirche, Staat, Gesellschaft und Familie, Wissenschaft, Technik und Wirtschaft.
Zentral: Der Mensch bestimmt nun allein über sein Schicksal, nicht mehr Gott. Damit hat der Mensch aber auch die Verantwortung für das Ganze. Er lenkt sein Schicksal in voller Verantwortung selbst.
Der aufgeklärte Absolutismus Preußens, die amerikanische Unabhängigkeit und die Französische Revolution sind die einschneidenden politischen Folgen der Aufklärung, wenn auch nicht allein der Aufklärung.
Der Optimismus der Aufklärung, dass die Menschen rational (vernünftig) seien und überhaupt jetzt alles durch Vernunft besser würde, hat sich nicht rundum erfüllt, es wurde nur alles anders. Die Dominanz der christlichen Offenbarungsreligion wurde zwar gebrochen, aber dafür kamen kurzlebige neue Säkularreligionen auf wie Kommunismus, Nationalsozialismus oder gegenwärtig der Wokismus.
Positive Folgen waren insbesondere der demokratische Staat mit seinen Grund- und Menschenrechten, damit der Schutz des Individuums und seiner Privatsphäre vor staatlichen und gesellschaftlichen Übergriffen, der Aufschwung von Naturwissenschaft und Technik und die Industrialisierung mit ihrem bis dahin beispiellosen Massenwohlstand sowie die Gleichberechtigung der Frau.
Ursprüngliches Alleinstellungsmerkmal der westlichen Kultur
Nichtwestliche Kulturen waren ursprünglich in der Breite nicht aufgeklärt. Das verursachte einen westlichen technischen Vorsprung, der den industriell geprägten Imperialismus hervorbrachte, der bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die westliche Dominanz über die Welt hervorbrachte.
Andere Kulturen übernahmen dann die westliche Aufklärung oder Teile davon. Dieser Prozess ist mit Japan und China, usw. in Ostasien am weitesten fortgeschritten, während der Islam die Aufklärung in der Breite bis heute nicht nachvollzogen hat und mit dem Islamismus eine breite, rückwärtsgewandte politische Massenbewegung hervorgebracht hat. Im Westen hat sich auch der Wokismus in wesentlichen Teilen von der Aufklärung abgewendet.
