Mysterienreligion
Mysterienreligionen gab es bereits vor der römischen Kaiserzeit, doch besonders während der römischen Kaiserzeit und bis in die Spätantike hinein gewannen sie deutlich an Bedeutung. Es handelte sich um religiöse Kulte, deren Rituale und Lehren nur Eingeweihten zugänglich waren. Die Aufnahme in die Kultgemeinschaft erfolgte durch Initiationsriten; die Eingeweihten wurden häufig als Mysten bezeichnet.
Viele Mysterienreligionen versprachen ihren Anhängern eine besondere Nähe zur Gottheit, göttlichen Schutz sowie Hoffnung auf ein glückliches Leben oder ein besseres Schicksal nach dem Tod. Manche Kulte verbanden ihre Lehren mit Vorstellungen von Wiedergeburt oder Unsterblichkeit. Die einzelnen Mysterienreligionen unterschieden sich jedoch erheblich in ihren Mythen und Glaubensinhalten.
Im Römischen Reich wurden die traditionellen Götter weiterhin verehrt und auch der Kaiserkult spielte eine wichtige Rolle. Gleichzeitig verbreiteten sich neue religiöse Kulte, die den Einzelnen stärker persönlich ansprachen. Häufig wurden dabei Gottheiten und religiöse Vorstellungen verschiedener Herkunft miteinander verbunden. Dies bezeichnet man als Synkretismus. Viele Gläubige verehrten eine bestimmte Gottheit besonders intensiv, ohne die Existenz anderer Götter zu leugnen.
Die Kultgemeinschaften waren oft nach Einweihungsgraden gegliedert. Besonders bekannt ist der Mithraskult, der vor allem unter Soldaten weit verbreitet war und zahlreiche Spuren im Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches hinterlassen hat.
Im Unterschied zur traditionellen griechisch-römischen Religion legten viele Mysterienreligionen größeren Wert auf die persönliche Frömmigkeit des Einzelnen und seine Beziehung zu einer bestimmten Gottheit. Deshalb sprechen Historiker häufig von einer stärkeren Individualisierung der Religiosität in der Kaiserzeit.
Zu den bedeutendsten Mysterienreligionen gehörten die Eleusinischen Mysterien bei Athen, der Dionysoskult, der Mithraskult sowie die Kulte der Kybele und des Attis sowie der Isis und des Osiris.
Mysterienreligionen und Christentum
Das Christentum entstand in derselben religiösen Umwelt wie die Mysterienreligionen. Deshalb gibt es einzelne äußere Parallelen und Berührungspunkte, etwa
- die Taufe und – je nach Konfession – weitere Elemente der christlichen Initiation. Die Taufe bildet die grundlegende Initiation in die christliche Gemeinschaft.
- gemeinschaftliche Mahlzeiten,
- die Hoffnung auf ewiges Leben,
- die Bedeutung der religiösen Gemeinschaft.
Das Christentum wird dennoch nicht zu den Mysterienreligionen gerechnet. Seine Glaubenslehre und seine Gottesdienste sind grundsätzlich öffentlich. Sie sind nicht auf einen Kreis von Eingeweihten beschränkt. Zudem versteht sich das Christentum als monotheistische Religion, deren Wurzeln im Judentum liegen. Das Christentum betrieb im Unterschied zu den Mysterienreligionen im Allgemeinen eine systematische Mission, während sich Mysterienreligionen vor allem durch persönliche Kontakte, Handel, Reisen und das römische Heer ausbreiteten.
