Proportion
Proportion liegt nach dem antiken Architekten Vitruv vor, wenn den Gliedern am Gesamtbau ein berechneter Teil (modulus) als Grundmaß zugrunde gelegt ist. Das Verhältnis der Teile zueinander und zum Ganzen heißt Proportion. Aus der Proportion erwächst wiederum die Schönheit des Ganzen.
Man findet in allen Kunstgattungen der Renaissance die Wiederkehr der geometrischen Grundformen als Widerspiegelung der Ordnung und des Maßes des Kosmos (des Alls), von dem der Mensch ein Teil ist.
Auch der Renaissancekünstler Leonardo da Vinci glaubte die Schönheit u.a. in der Proportion zu finden. Seine Proportionsstudie (gemeinfrei) setzt den Menschen in Bezug zu geometrischen Formen wie Kreis und Quadrat. Auch er knüpfte dabei an den antiken Architekten Vetruv an.
In der Renaissance folgte die ideale Proportion des Menschen der 8-Kopf-Regelung, das heißt: Der ideale menschliche Körper entspricht einer Höhe von 7,5 bis 8 Köpfen, wobei 8 Köpfe eher einem größeren Körperbau entsprechen.
- Kopf 1: Vom Scheitel zum Kinn
- Kopf 2: Vom Kinn zu den Brustwarzen
- Kopf 3: Von diesen zum Bauchnabel
- Kopf 4: Von diesem zur Scham (Körpermitte)
- Kopf 5 - 8 Von der Körpermitte zur Fußsohle
Unterschiedliche Schönheitsideale verändern die Proportionen bzw. umgekehrt.
Heiliger Markus von Donatello von der Außenwand von Orsanmichele in Florenz (Bild: DEidG) in den Proportionen der Renaissance
Manieristische Brunnenfigur Giambolognas (Bild: DEidG) mit völlig überlängtem Körper. Ein bewusster und vermutlich gelungener Gegenentwurf zum Schönheitsideal der Renaissance! Auch heute noch gibt es verschiedene Schönheitsbegriffe!
